Risikoregister · Eintrag
Q2 · Die KokosnussStyrol-Leck in Vizag
Ein Kühlausfall setzte bei einem überhasteten Neustart ein Nervengift über Dörfern frei.
Das seltene, folgenschwere Ereignis, das immer kommen musste und hinterher immer als unvorhersehbar bezeichnet wurde.
Warum dieser Quadrant
Die Vorgabe lautete, den Tank kalt zu halten und den Inhibitor nachzufüllen. Beides geschah nicht. Der Inhibitor war seit dem 1. April nicht mehr vorrätig, und die Kühler waren am Abend zuvor abgeschaltet worden. Jahre, in denen nichts passierte, endeten in einem überstürzten Wiederanfahren, mit einer Dampfwolke über Dörfern in drei Kilometern Entfernung.
Die Aktenlage
- 13 Todesopfer, darunter ein Kindgesichert
- Mehr als 1.000 Menschen exponiert/erkranktgesichert
- ~300 Menschen im Krankenhaus behandeltwahrscheinlich
- 2.000 Tonnen Styrol im Tanksystem gelagertgesichert
- ~800 Tonnen Styroldampf freigesetztunsicher
- Die Gaswolke breitete sich über einen Radius von rund 3 km aus; Evakuierungsradius bis zu ~5 kmwahrscheinlich
- Datum/Uhrzeit des Vorfalls: 7. Mai 2020, ca. 3:00 Uhr ISTgesichert
- Vom NGT angeordnete vorläufige Hinterlegung: 50 Crore Rupien (~5,2 Mio. US-$)gesichert
- Entschädigung des Bundesstaates: 1 Crore Rupien je Familie eines Todesopfers; Hilfsfonds von insgesamt 30 Crore Rupienwahrscheinlich
- TBC-Inhibitor seit dem 1. April 2020 nicht mehr vorrätig; die Kühler wurden am Abend vor dem Austritt abgeschaltetgesichert
- Die Anlage stand während des COVID-Lockdowns rund 43 Tage unbeaufsichtigt, bevor sie wieder angefahren wurdewahrscheinlich
- Der Untersuchungsausschuss des NGT nannte 21 Punkte grober Fahrlässigkeit und 18 Verstöße gegen Vorschriftengesichert
- Fünf nicht genehmigte Kapazitätserweiterungen zwischen 2006 und 2018 ohne die erforderliche Umweltfreigabewahrscheinlich
- Die Anlage wurde 1961 als Hindustan Polymers gegründet; 1997 von LG Chem (Südkorea) übernommengesichert
- Anzeige (FIR) erstattet unter Berufung auf die IPC-Paragrafen 278, 284, 285, 337, 338, 304wahrscheinlich
Quellen
Der Newsletter
Jede Woche eine Risikogeschichte, auseinandergenommen wie diese: was bekannt war, was ignoriert wurde, und in welchem Quadranten sie wirklich lag.
Kein Spam, eine E-Mail pro Woche.